Abstrakte Verweisung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Wer beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung keinen Blick ins Kleingedruckte wirft, wird dies möglicherweise bitter bereuen. Denn die sogenannte abstrakte Verweisung kann unter Umständen, die Auszahlung der vereinbarten BU-Rente verhindern. Es handelt sich hierbei um eine Klausel die besagt, dass der Versicherungsnehmer im Falle einer Berufsunfähigkeit auf eine anderweitige Tätigkeit verwiesen werden darf. Dies macht eine Auszahlung der BU-Rente höchst unwahrscheinlich, da sich fast immer ein Beruf findet, welcher noch ausgeübt werden kann. Ob es für diesen offene Stellen gibt ist dabei unerheblich.

Was bedeutet die abstrakte Verweisung genau?

Die abstrakte Verweisung bedeutet für den Versicherungsnehmer eine zusätzliche Erschwernis, bei der Anerkenntnis einer Berufsunfähigkeit. Dies ist dadurch begründet, dass die Berufsunfähigkeit nicht nur für den aktuell ausgeübten Beruf, sondern auch für verschiedene andere Tätigkeiten gelten muss. Selbst dann, wenn diese gar nicht ausgeübt wurden. Für den Laien ist die abstrakte Verweisung oftmals nicht zu erkennen, da diese Bezeichnung in den Versicherungsbedingungen nicht zwangsweise auch verwendet werden.

Beispiel für eine abstrakte Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

„Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich dauernd außerstande ist, seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und seiner bisherigen Lebensstellung entspricht.“

Die abstrakte Verweisung in der Praxis

Zwar kommt die abstrakte Verweisung heutzutage nur noch recht selten vor, in Alterverträgen sind solche Formulierungen jedoch durchaus noch zu finden. Dabei ist die Frage auf welche Berufe der Versicherungsnehmer verwiesen werden darf nicht immer ganz einfach zu beantworten.

So hielten es die Richter des OLG Karlsruhe für unzulässig, dass ehemals selbstständiger Gas- und Wasserinstallateur nach einer Umschulung als medizinisch-technischer Laborassistent (MTLA) arbeiten muss. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass er im neuen Beruf sogar ein höheres Einkommen erzielt. Der Versicherer wurde zur Zahlung der BU-Rente verpflichtet.

In einem anderen Fall hielt es der Bundesgerichtshof für rechtens, dass ein berufsunfähiger Straßenbaumeister in den ursprünglich erlernten Beruf als Bauingenieur zurückkehren muss, obwohl er diesen niemals aktiv ausgeübt hat. Dazu kommt, dass in diesem Beruf kaum Chancen auf eine Anstellung bestehen.

Police mit Verzicht auf eine abstrakte Verweisung wählen

Um einem möglichen Rechtsstreit zu umgehen sollten Policen abgeschlossen werden, bei denen in den Versicherungsbedingungen ausdrücklich auf eine abstrakte Verweisung verzichtet wird. Dies ist mittlerweile bei den meisten Versicherern der Fall. Lediglich einige besonders günstige Versicherungen haben diesen Passus in ihren Versicherungsbedingungen beibehalten. Durch einen genauen Versicherungsvergleich lassen sich schnell und einfach die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen finden.