Kategorie-Archiv: Allgemein

Berufsunfähigkeitsversicherung – Welcher Tarif ist am besten?

Berufsunfähigkeitsversicherung – Welcher Tarif ist am besten?

Wer auf der Suche nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist, kann unter einer Vielzahl von Tarifen wählen. Um sich einen ersten Überblick über Qualität und Prämien der verschiedenen Angebote zu verschaffen können beispielsweise die Testergebnisse der Stiftung Warentest oder anderer Institutionen und Fachzeitschriften herangezogen werden.

Die besten Tarife bei Stiftung Warentest

Beim großen Test der Zeitschrift Finanztest (Ausgabe 07/2013) gab es für 58 von insgesamt 75 getesteten Tarifen das Qualitätsurteil „sehr gut“. Dies zeigt, dass die Versicherer ihre Angebote in den letzten deutlich verbessert haben. Für Verbraucher ist dies eine durchaus freundliche Entwicklung. So wird mittlerweile bei fast allen Tarifen auf die abstrakte Verweisung verzichtet. Die sogenannte „kurze Prognose“ ist ebenfalls ein wichtiges Indiz für einen leistungsstarken Tarif. In diesem Fall wird die Berufsunfähigkeit auch dann anerkannt, wenn sie voraussichtlich nur sechs Monate dauert. Falls eine Berufsunfähigkeit erst nach einer gewissen Zeit festgestellt wird, gibt es bei einem sehr guten Tarif sogar bei verspäteter Meldung die vereinbarte Rente bis zu drei Jahre rückwirkend.

Die besten Tarife bei Stiftung Warentest:

  • AachenMünchener SBU (AVB BUV) Sehr gut (Note 0,6)
  • Europa SBU-Vorsorge Premium E-B1 Sehr gut (Note 0,6)
  • Hannoversche Comfort-BUZ-Plus Sehr gut (Note 0,6)
  • VHV SBU-Exklusiv VBS-Plus Sehr gut (Note 0,6)

Die Tester der Finanztest haben zwischen den verschiedenen Angeboten mit sehr guten Leistungen teilweise deutliche Preisunterschiede festgestellt. Diese sind insbesondere vom Beruf des Versicherungsnehmers abhängig. So muss einer der Modellkunden (Industriemechaniker, 25 Jahre, BU-Rente: 1.500 Euro, Laufzeit bis Endalter 60 Jahre) beim Testsieger AachenMünchener mit einem Netto-Beitrag von 646 Euro pro Jahr rechnen. Die VHV, welche ebenfalls zu den Testsieger gehörte, verlangt für den gleichen Kunden hingegen eine jährliche Prämie von 1.260 Euro, also nahezu das Doppelte.

Ökotest kritisiert Versicherer wegen verschärfter Annahmerichtlinien

Die Zeitschrift Ökotest hat in ihrem Test 2014 insgesamt 59 Tarife hinsichtlich Vertragsbedingungen, Prämien sowie die Versicherbarkeit bestimmter Berufsgruppen sowie der Annahmepolitik unter die Lupe genommen. Im Allgemeinen wurde den Tarifen gute Leistungen unterstellt. Dennoch gab es auch einige Kritikpunkte.

Diese richten sich vor allem an die teilweise verschärfte Annahmepolitik.. So werden Antragsteller mit risikoreichen Berufen entweder direkt abgelehnt oder sehr hohe Beiträge verlangt. Zum anderen reagieren die Versicherer beinahe allergisch auf Vorerkrankungen. Schon bei den geringsten Anzeichen psychischer Leiden werden Risikoausschlüsse verlangt oder Anträge gleich ganz abgelehnt.

Die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen Tarife bei Ökotest:

  • Volkswohl Bund SBU 2. Rang 64,0 Punkte
  • Barmenia Solo BU 2. Rang 63,0 Punkte
  • Hanse Merkur SBU 2013 M 2. Rang 62,0 Punkte
  • Swiss Life Tarif 943 2. Rang 62,0 Punkte
  • HDI BV13 2. Rang 61,6 Punkte

Zwei von drei Tarifen erhielten was die Vertragsbedingungen betrifft ein gut oder sehr gut. Allerdings wurden auch hier beim Preis erhebliche Unterschiede festgestellt. So war in einem der Musterfälle der günstigste Tarif zwei Drittel günstiger als der teuerste.

Individueller BU Vergleich unumgänglich

Den einen besten Tarif gibt es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung nicht. Zumal die Wahl stark von den persönlichen Voraussetzungen wie Beruf, Alter, Gesundheitszustand oder Vorerkrankungen abhängig ist. So kann ein Tarif beispielsweise für einen Dachdecker optimal sein, jedoch nicht für den Bedarf eines Bürokaufmanns passen. Deshalb sollten die Testberichte nur als erster Anhaltspunkt genutzt werden. Vor der endgültigen Entscheidung ist nochmals ein genauer auf den persönlichen Bedarf abgestimmter Vergleich angeraten.

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

Aufgrund von Gesundheitszustand, Alter oder Beruf ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht immer möglich. Unter Umständen sind auch die Prämien für das vorhandene Budget zu hoch. Um dennoch eine gewisse Absicherung zu erhalten gibt es verschiedene Alternativen. Eins zu eins ersetzen können diese die Berufsunfähigkeitsversicherung jedoch nicht.

Erste Alternative ist die Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung entspricht im Wesentlichen den Bedingungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Wer für einen Zeitraum von 6 Monaten nicht mindestens 3 Stunden pro Tag arbeiten kann, erhält eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Dabei spielt es keine Rolle in welchem Beruf. Die Gesundheitsprüfung fällt bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung deutlich geringer aus und auch die Prämie ist um einiges niedriger. Eine solche Absicherung bietet sich zudem für Inhaber von risikoreichen Berufen wie beispielsweise Dachdecker an, für die eine Berufsunfähigkeitsversicherung nur zu einer sehr hohen Prämie angeboten wird.

Dread-Disease-Policen

Durch den Abschluss einer Dread-Disease-Versicherung können Versicherte sich gegen die finanziellen Folgen von verschiedenen Krankheiten absichern. Welche dies sind, hängt immer vom Leistungskatalog des jeweiligen Versicherers ab. In der Regel bieten die Assekuranzen Leistungspakete ab, welche beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Krebserkrankung absichern. Kommt es zu einer im Leistungskatalog aufgeführten Erkrankung zahlt die Versicherung einen zuvor vereinbarten Einmalbetrag. Gedacht war die Versicherung ursprünglich zur Absicherung von hohen Operationskosten. Nachteilig ist, dass psychische Krankheiten sowie Störungen des Bewegungsapparats nicht versichert werden können.

Die Grundfähigkeitsversicherung

Diese Versicherungsvariante zahlt eine monatliche Rente, wenn der Versicherungsnehmer aufgrund einer Erkrankung, eines Unfalls oder Kräfteverschleißes wichtige Grundfähigkeiten wie Sehen, Hören, Sprechen oder Gehen verliert. Die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit, nämlich psychische Erkrankungen werden allerdings nicht abgedeckt. Eine Ausnahme gilt nur dann, wenn aufgrund der Erkrankung auch eine der versicherten Grundfähigkeiten verloren geht. Ein vollständiger Ersatz für die Berufsunfähigkeitsversicherung ist auch diese Police nicht, dennoch können zumindest für körperliche Tätigkeiten die Risiken deutlich gemindert werden.

Die private Unfallversicherung

Die Unfallversicherung bietet einen wichtigen Schutz für Kinder sowie Personen mit einem hohen Unfallrisiko. Als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung taugt sie jedoch nur bedingt, da die Berufsunfähigkeit nur in den wenigsten Fällen infolge eines Unfalls eintritt. Die wichtigste Leistung der Unfallversicherung ist die Zahlung eines Einmalbetrags, wenn es aufgrund eines Unfalls zu bleibenden gesundheitlichen Schäden kommt. Die Höhe der Entschädigung richtet sich nach dem Grad der eingetretenen Invalidität. Bei Verlust eines Armes werden beispielsweise 70 Prozent der Versicherungssumme ausgezahlt.

Darüber hinaus können zumeist noch weitere Leistungen wie eine Invaliditätsrente, Krankenhaustagegeld wahlweise mit oder ohne Genesungsgeld, Kostenerstattung bei kosmetischen Operationen oder eine Todesfallleistung vereinbart werden.

Höhe der Berufsunfähigkeitsrente festlegen

Höhe der Berufsunfähigkeitsrente festlegen

Um sich im Falle einer Berufsunfähigkeit umfassend abzusichern ist eine ausreichend hohe BU-Rente von entscheidender Bedeutung. Die Höhe der Rente kann bei Vertragsschluss individuell vereinbart werden. Dabei gelten jedoch je nach Versicherer bestimmte Einschränkungen und Vorgaben, welche vor allem an das Einkommen des Versicherungsnehmers gekoppelt sind.

Was sollte bei der Rentenhöhe berücksichtigt werden?

Um die richtige Rentenhöhe festzulegen sollte man sich genau überlegen, welche Fixkosten abgedeckt werden müssen.

Hierzu gehören insbesondere:

  • Monatliche Kosten für Haus oder Wohnung
  • Bestehende Verbindlichkeiten für Darlehen oder Immobilienfinanzierung
  • Anfallende Versicherungsbeiträge
  • Krankenversicherung (besonders für Selbstständige wichtig)
  • Lebenshaltungskosten

Versorgungslücke berechnen

Alternativ kann zur Bestimmung der Rentenhöhe auch die Versorgungslücke berechnet werden. Hierzu werden zunächst eventuell bestehende Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung ermittelt. Wer vor dem 01.01.1961 geboren ist, hat noch Anspruch auf die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente. Diese beträgt etwa zwei Drittel der gesetzlichen Altersrente. Im Falle einer Erwerbsunfähigkeit besteht Anspruch auf die volle Altersrente. Personen, die nach dem 01.01.1961 geboren sind erhalten dagegen nur noch eine reduzierte Erwerbsminderungsrente. Bei einer Arbeitsfähigkeit zwischen 3 und 6 Stunden täglich wird die halbe, ansonsten die volle Erwerbsminderungsrente bezahlt. Diese beträgt etwa 30 bis 40 Prozent des zuletzt erzielten Bruttoeinkommens.

Errechnet wird die Versorgungslücke aus der Differenz von aktuellem Nettoeinkommen und den Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Beispiel:

Das derzeitige Nettoeinkommen liegt bei 2.800 Euro. Laut aktuellem Rentenbescheid besteht Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente aus 800 Euro. Dazu kommen noch 250 Euro aus einer betrieblichen Altersvorsorge.

Die Berechnung sähe dann wie folgt aus: 2.800 € – 800 € – 250 € = 1.750 Euro. Um die Versorgungslücke zu schließen müsste also eine BU-Rente von 1.750 Euro vereinbart werden.

Welche Höchstsätze müssen beachtet werden?

Die Höchstrenten werden von den einzelnen Versicherern festgelegt und fallen deshalb unterschiedlich aus. Zudem kann es auch zwischen den einzelnen Berufsgruppen einer Versicherung Unterschiede geben. So gilt beispielsweise bei der Continentale Versicherung eine Höchstgrenze für Arbeitnehmer von 60 Prozent des Brutto- bzw. 90 Prozent des Nettoeinkommens. Selbstständige können bis zu 60 Prozent ihres Gewinns vor Steuern absichern.

Beispiele für Höchstrenten bei der Berufsunfähigkeitsversicherung:

  • HUK-Coburg: 75 Prozent des Nettoeinkommens
  • Dialog Versicherung: 60 Prozent des Bruttoeinkommens
  • Continentale: 60 Prozent des Bruttoeinkommens oder 90 Prozent des Nettoeinkommens
  • VPV Lebensversicherung: 80 Prozent des Nettoeinkommens
  • Gothaer: Bei Einkommen zwischen 12.001 Euro – 24.000 Euro bis zu 65 Prozent des Bruttoeinkommens. Bei Einkommen zwischen 24.001 Euro – 60.000 Euro maximal 50 Prozent des Bruttoeinkommens.

BU-Rente regelmäßig anpassen

Aufgrund von Preissteigerungen verliert die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente im Laufe der Jahre an Wert. Deshalb ist es ratsam, die Rentenhöhe in regelmäßigen Abständen anzupassen. Die meisten Versicherer bieten hierfür zwei Möglichkeiten an. Zum einen kann eine Dynamik in den Vertrag eingebaut werden und zum anderen gibt es eine Nachversicherungsgarantie. Bei einer Dynamik wird die Rentenhöhe zu gewissen Terminen automatisch angepasst. Dadurch steigen natürlich auch die Prämien, wodurch der Vertrag im Laufe der Jahre immer teurer wird.

Über die Nachversicherungsgarantie kann die Versicherungssumme bei einer Änderung der Lebensumstände angepasst werden. So lässt sich die BU-Rente beispielsweise bei Heirat, d er Geburt eines Kindes oder dem Umzug in die eigenen vier Wände ohne erneute Gesundheitsprüfung an die veränderten Bedingungen anpassen.

Wechsel der Berufsunfähigkeitsversicherung

Wechsel der Berufsunfähigkeitsversicherung

In den letzten Jahren haben sich die Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherungen deutlich verbessert. Aus diesem Grund kommt es bei Altverträgen oftmals zu großen Leistungslücken. Dadurch entsteht bei vielen Versicherten der Wunsch auf einen Wechsel der Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Stiftung Warentest empfiehlt einen Wechsel immer dann, wenn der bestehende Vertrag unzureichende Bedingungen aufweist. Damit der Wechsel zu keinen Nachteilen führt, sollten dabei einige Punkte beachtet werden.

Bessere Vertragsbedingungen nach dem Wechsel der BU

Altverträge beinhalten in vielen Fällen noch eine abstrakte Verweisung. Dies kann im Leistungsfall zu einem echten Fallstrick werden. Der Versicherer trotz Berufsunfähigkeit die Rentenzahlung verweigert, wenn der Versicherungsnehmer noch eine anderweitige Tätigkeit ausüben kann. Ob es für diese überhaupt offene Stellen gibt, ist dabei völlig unerheblich, die abstrakte Möglichkeit hierfür reicht für eine Ablehnung völlig aus. In neueren Verträgen wird hingegen zumeist auf die abstrakte Verweisung verzichtet. Die vereinbarte Rente wird immer dann ausgezahlt, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf aufgrund einer Berufsunfähigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. In der Regel wird eine Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent vorausgesetzt.

Anpassung der Versicherungssumme

Dazu fehlt bei älteren Verträgen oftmals die Möglichkeit, die Rentenhöhe während der Laufzeit anzupassen. Reicht eine monatliche Rente von 1.500 Euro heutzutage noch aus, dürfte dies in 20 Jahren aufgrund sinkender Kaufkraft kaum noch der Fall sein. Des Weiteren steigt im Laufe der Jahre zumeist auch das Nettoeinkommen, was im Leistungsfall eine Versorgungslücke zur Folge hat. Wer heutzutage eine neue Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, erhält bei den meisten Tarifen eine Nachversicherungsgarantie oder kann eine Dynamik in den Vertrag einbauen. Durch die Dynamik wird die BU-Rente regelmäßig an die Preissteigerungen angepasst. Die Nachversicherungsgarantie erlaubt eine Anpassung der Versicherungssumme bei wichtigen Ereignissen wie Hochzeit oder Geburt eines Kindes. Bei beiden Varianten ist keine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich.

Gesundheitszustand bei einem Berufsunfähigkeitsversicherung Wechsel berücksichtigen

Sinnvoll ist der Wechsel also immer dann, wenn die Vertragsbedingungen dabei wesentlich verbessert werden. Doch Vorsicht: Beim Abschluss einer neuen Police wird erneut eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Als gesunder 25-jähriger ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung kein Problem. Ein paar Jahre später mit den ersten Vorerkrankungen sieht die Sache schon anders aus. Dies kann zu Leistungsausschlüssen oder Risikozuschlägen führen. Je nach Art der Vorerkrankungen wird die Anfrage auch gänzlich abgelehnt. Damit sich die Berufsunfähigkeitsversicherung bei einem Wechsel nicht verteuert sollte zunächst eine anonyme Risikoanfrage bei verschiedenen Versicherern gestellt werden. Auf diese Weise können die verschiedenen Konditionen in Ruhe miteinander verglichen werden. Der alte Vertrag sollte erst dann gekündigt werden, wenn die Zusage des neuen Versicherers vorliegt.

Einen möglichen Kapitalverlust vermeiden

Da die Versicherer keinen Kapitalstock aufbauen, kommt es beim Wechsel einer selbstständigen Berufsunfähigkeitsversicherung zu keinen finanziellen Verlusten. Dies gilt auch für Zusatzpolicen in Kombination mit einer Risikolebensversicherung. Anders sieht es jedoch aus, wenn der Berufsunfähigkeitsschutz in Verbindung mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung abgeschlossen wurde. Hier ist es zumeist günstiger, bei einer Kündigung der BUZ die Kapitallebens- oder Rentenversicherung bestehen zu lassen. Damit bleibt das angesparte Kapital verlustfrei bestehen, und der Berufsunfähigkeitsschutz wird über einen neuen Vertrag sichergestellt.

Wie können Altverträge der Berufsunfähigkeitsversicherung gekündigt werden?

Wer eine neue und bessere Police in der Tasche hat, kann den bestehenden Vertrag kündigen. Bei den meisten Policen gilt eine Kündigungsfrist von 3 Monaten zum Ende des Versicherungsjahres. Versicherungen mit einer Laufzeit von mehr als 5 Jahren können zumeist erstmalig nach Ende des fünften Versicherungsjahres gekündigt werden. Für Verträge, die vor dem24. Juni 1994 abgeschlossen wurden gelten mitunter noch andere Bedingungen.

Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nicht – was tun?

Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nicht – was tun?

Immer mehr Menschen entscheiden sich für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung, um ihr wichtigstes Kapital – die Arbeitskraft – abzusichern. Fällt diese aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund eines Unfalls weg, zahlt die Versicherung eine monatliche Rente, um den bisherigen Lebensstandard zu sichern. Leider zahlt. Leider kommt es immer wieder vor, dass Versicherungen die vereinbarte Rente nicht anstandslos bezahlen. In diesem Fall können sich Kunden aber wehren.

Gründe warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

In den letzten Jahren habe sich die Fälle gehäuft, in denen die Berufsunfähigkeitsversicherungen eine Zahlung ablehnten. Allerdings liegen die Gründe hierfür nicht immer beim Versicherer. Ein häufiger Grund für die Ablehnung sind unrichtige Angaben seitens des Kunden beim Vertragsabschluss. Bei einem BU-Antrag müssen sämtliche Fragen richtig und wahrheitsgemäß beantwortet werden. Dies betrifft neben den Gesundheitsfragen auch Fragen zu Beruf oder Hobbies.

Dazu lehnen Versicherer die Rentenzahlung ab, wenn der Berufsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent nicht erreicht wird. Um dies zu umgehen kann eine Police abgeschlossen werden, die bei längerer Krankschreibung eine BU-Rente bezahlt. Entsprechende Angebote gibt es beispielsweise von den Versicherern Condor und Allianz.

BU zahlt nicht bei falsch beantworteten Gesundheitsfragen

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, muss sich durch eine große Anzahl von Gesundheitsfragen kämpfen. Es ist zugegebenermaßen etwas mühevoll, sämtliche Vorerkrankungen ausführlich und detailliert aufzuführen, für einen späteren Leistungsanspruch unabdingbar. Selbst länger zurückliegende Behandlungen, denen keine besondere Bedeutung mehr beigemessen wird wie eine Massage müssen unbedingt genannt werden. Ansonsten droht eine verminderte Versicherungsleistung oder im schlimmsten Fall sogar die komplette Verweigerung einer Zahlung.

Im Rahmen der Leistungsprüfung werden durch den Versicherer umfangreiche Informationen eingeholt. Hierzu werden behandelnde Ärzte sowie Krankenkassen von ihrer Schweigepflicht entbunden, sodass falsche Angaben beim Antrag in den meisten Fällen schnell ans Licht kommen. Wer beispielsweise einen Bandscheibenvorfall hatte und die Fragen zur Rückengesundheit dennoch positiv beantwortet hat gegenüber der Versicherung keinen Leistungsanspruch. Hierbei handelt es sich eindeutig um eine arglistige Täuschung, welche für den Versicherten unangenehme Folgen hat.

Am Ende entscheiden oft die Gerichte

Ist die Ablehnung der Berufsunfähigkeitsversicherung ungerechtfertigt, sollte zunächst der Ombudsmann für Versicherungen eingeschaltet werden. Dieser prüft kostenlos Beschwerden der Versicherungsnehmer und trifft dann eine Entscheidung. Allerdings ist diese für die Versicherer nur bis zu einem Streitwert von 10.000 Euro bindend. Bei Streitigkeiten mit Berufsunfähigkeitsversicherungen geht es zumeist um deutlich mehr Geld. Bis zu einem Streitwert von 100.000 Euro wird seitens des Ombudsmanns eine unverbindliche Empfehlung aussgesprochen, welche anschließend auch vor Gericht vorgelegt werden kann.

Verweigert der Versicherer trotz allem die Leistung bleibt am Ende nur noch der Rechtsweg. In der Regel sind hierfür die Landgerichte zuständig. Wichtig dabei ist, dass der Versicherte den Ablauf der Vertragsschließung gut dokumentieren kann. Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, kommt es später auf jede einzelne Frage und insbesondere die vorgelegten Dokumente an. Hilfreich sind zudem Gesprächsaufzeichnungen, die am besten noch durch einen Zeugen bestätigt werden sollten.

Risikozuschlag bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Risikozuschlag bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung führen die Versicherer immer eine Risikoprüfung durch. Stellt sich dabei heraus, dass bei einem potenziellen Versicherungsnehmer Vorerkrankungen bestehen kann der Versicherer den Vertrag ablehnen, einzelne Leistungen ausschließen oder einen Risikozuschlag erheben. Mit diesem Beitragszuschlag soll das erhöhte Risiko auf eine Berufsunfähigkeit abgedeckt werden. Wie hoch der Risikozuschlag ausfällt, hängt unter anderem vom Alter des Versicherungsnehmers sowie der Art der Vorerkrankung ab. Unter Umständen kann der Risikozuschlag auch zeitlich begrenzt sein, beispielsweise nach einer Operation.

Wofür werden Risikozuschläge erhoben?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Risikozuschläge bei jedem Versicherer unterschiedlich gehandhabt werden. Erhoben werden Risikozuschläge unter anderem bei Kreislauferkrankungen, Störungen der Verdauungsorgane, Stoffwechselerkrankungen oder einem erhöhten Cholesterinspiegel. Unter Umständen verteuert sich die Prämie hierdurch um bis zu 50 Prozent.

Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Allergien kommt es dagegen zumeist zu Leistungsausschlüssen. Dies gilt unter anderem auch für Hauterkrankungen. Bei psychischen Vorerkrankungen werden diese in der Regel ebenfalls vom Versicherungsschutz ausgenommen bzw. der Antrag komplett abgelehnt. Bei Vorerkrankungen wie Multiple Sklerose, Krebs oder Diabetes mellitus kommt es in der Regel ebenfalls zu einer Ablehnung der Vertragsanfrage.

Risikozuschläge können jedoch auch bei als risikoreich eingestuften Hobbies erhoben werden. Bei einem Test der Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 03/2014) wurde für eine Hobbyreiterin von einigen Versicherern ein Risikozuschlag zwischen 25 und 50 Prozent erhoben. Eine Assekuranz hat den Abschluss der Police sogar abgelehnt.

Risikozuschlag wieder loswerden

Wer einen Vertrag mit einem Risikozuschlag abgeschlossen hat, muss diesen jedoch nicht zwangsweise über die gesamte Laufzeit bezahlen. Die Möglichkeit auf eine Reduzierung des Zuschlags ist im § 41 des Versicherungsvertragsgesetzes explizit festgehalten. Danach kann die Vereinbarung jederzeit überprüft werden. Notfalls lässt sich die Reduzierung auch mit gerichtlichen Mitteln durchsetzen. So hat beispielsweise das Oberlandesgericht Coburg entschieden, dass ein Versicherter, dessen Rückenleiden bereits seit Jahren ausgeheilt ist, keinen Risikozuschlag mehr bezahlen muss.

Hat sich die Erkrankung aufgrund derer ein Risikozuschlag erhoben wurde wesentlich verbessert oder ist komplett ausgeheilt sollte zunächst ein ärztliches Attest eingeholt werden. Daraus muss eindeutig hervorgehen, der Versicherte inzwischen genesen ist und kein erhöhtes Risiko auf eine Berufsunfähigkeit besteht. Anschließend kann die Versicherung aufgefordert werden, den Beitragszuschlag entsprechend zu senken. Kommt der Versicherer der Aufforderung nicht nach kann zunächst der Ombudsmann für das Versicherungswesen eingeschaltet werden. Dieser hilft kostenlos und kann eine Einigung mit der Versicherung herbeiführen.

Bei Schummelei Risikozuschlag besser akzeptieren

Wer bei der Antragstellung bezüglich der Vorerkrankung geschummelt und nicht alles korrekt angegeben hat, sollte den Risikozuschlag ohne Murren akzeptieren. Forscht der Versicherer genauer nach kann es zu einer Kündigung des Vertragsverhältnisses kommen. In diesem Fall steht der Versicherte komplett ohne Berufsunfähigkeitsschutz da und wird auch bei einer anderen Assekuranz keinen Vertrag mehr bekommen.

Wann sollte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen?

Wann sollte ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen?

Das ein Berufunfähigkeitsschutz zu den wichtigsten Versicherungen ist hinlänglich bekannt. Doch wann ist der beste Zeitpunkt, um eine solche Police abzuschließen? Sollte man sich schon als Schüler, Student oder Auszubildender nach dem richtigen Versicherungsschutz umsehen oder hat das Ganze noch etwas Zeit? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach, je früher die Versicherung abgeschlossen wird desto besser. Spätestens beim Einstieg ins Berufsleben sollte jeder über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügen. Wer noch keine Police besitzt, sollte dies so schnell als möglich nachholen. Ob die Berufsunfähigkeitsversicherung als eigenständiger Vertrag oder in Kombination mit einer anderen Police wie der Risikolebensversicherung abgeschlossen wird hängt immer von den persönlichen Umständen es Versicherungsnehmers ab.

Der Faktor Zeit

Je jünger der Versicherungsnehmer bei Vertragsschluss ist, desto geringer ist die zu zahlende Prämie. Mit zunehmendem Eintrittsalter steigen die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung überproportional stark an. Wer sich bereits früh für den Abschluss einer Police entscheidet, profitiert von dauerhaft niedrigen Beiträgen.

Der Faktor Gesundheit

Je jünger der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gesucht wird desto besser ist zumeist der persönliche Gesundheitszustand. Dazu ist das Risiko von Vorerkrankungen um einiges geringer. Es kommt nicht selten vor, dass auch jüngere Interessenten Probleme haben einen Versicherer zu finden. Bei Vorerkrankungen stellt sich dann nicht mehr die Frage, welche Assekuranz gute Leistungen anbietet, sondern wo es überhaupt noch einen Vertrag gibt. Vorerkrankungen führen sehr häufig dazu, dass diese entweder vom Versicherungsschutz ausgenommen werden oder es zu einer kompletten Ablehnung des Vertragsverhältnisses kommt.

Beispiel:

Eine Studentin nimmt während der stressigen Phase vor den Prüfungen, Massagen für die verspannte Rückenmuskulatur in Anspruch. Gleichzeitig begibt sie sich wegen starker Prüfungsängste in eine psychotherapeutische Behandlung. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums möchte sie nun zum Berufseinstieg eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Obwohl die Behandlungen bereits seit über einem Jahr abgeschlossen sind, dürfte es sehr schwierig werden, zu diesem Zeitpunkt eine Versicherung zu finden. Dies liegt in erster Linie an der kurz zuvor durchgeführten Psychotherapie. Doch selbst die kurze Behandlung mit Massagen kann dazu führen, dass der Bereich Rücken vom Versicherungsschutz ausgenommen wird.

Jetzt den passenden Versicherungsschutz finden

Wer noch keinen Berufsunfähigkeitsschutz besitzt, sollte dieses Thema nicht auf die lange Bank schieben. Für Berufsanfänger mit eher geringem Budget bieten viele Versicherer spezielle Starter-Pakete an. Diese lassen sich nach Abschluss der Ausbildung oder des Studiums ohne erneute Gesundheitsprüfung in einen normalen Vertrag umwandeln. Bereits kleinere Behandlungen können zu Leistungsausschlüssen oder Risikozuschlägen führen. Bei psychischen Vorerkrankungen droht zudem sehr schnell eine Ablehnung durch die Versicherer.

Was ist eine dynamische Berufsunfähigkeitsversicherung?

Was ist eine dynamische Berufsunfähigkeitsversicherung?

Unter einer Dynamik wird die regelmäßige Steigerung des Beitrags sowie der angebotenen Leistungen verstanden. Auf diese Weise haben Versicherungsnehmer die Möglichkeit ihre BU-Rente auch noch nach Vertragsschluss zu erhöhen. Bei den meisten mit einer Dynamik versehenen Berufsunfähigkeitsversicherungen ist hierfür keine erneute Gesundheitsprüfung erforderlich. Dennoch besteht bei vielen Interessenten für eine Berufsunfähigkeitsversicherung eine gewisse Verunsicherung, inwieweit der Einbau einer Dynamik sinnvoll ist oder nicht.

Dynamik vor Eintritt einer Berufsunfähigkeit

Bei dieser Variante wird die versicherte BU-Rente bis zum Eintritt einer Berufsunfähigkeit in regelmäßigen Abständen erhöht. Natürlich hat eine solche Erhöhung auch ihren Preis, weshalb die Prämie entsprechend angepasst wird. Alternativ werden bei einigen Tarifen der vereinbarte Beitrag erhöht und die BU-Rente an diese Erhöhung angeglichen.

Die genauen Regelungen zu einer Dynamik können sich je nach Tarif unterscheiden. So gibt es beispielsweise Verträge, welche eine feste prozentuale Erhöhung vorsehen. Alternativ kann eine Rentenanpassung auch an den Verbraucherindex oder Steigerung des Höchstbetrags bei der gesetzlichen Rentenversicherung gekoppelt werden.

Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass die Erhöhung der BU-Rente immer parallel zur Beitragssteigerung verläuft. In der Praxis erhöhen sich die Leistungen jedoch nicht immer im gleichen Verhältnis zum Preis. Dies liegt unter anderem daran, das einige Tarife bei Anwendung der Dynamik für den hinzukommenden Teil ein neues Eintrittsalter festlegen. Im Vergleich zum ursprünglichen Vertrag steht dagegen eine kürzere Laufzeit für den erhöhten Teil.

Kann die Dynamik ausgesetzt werden?

In Verbindung mit einer Dynamik tauch sehr häufig die Frage auf, wann und wie oft die Dynamik vor Eintritt des BU-Falls ausgesetzt werden kann ohne das Erhöhungsrecht zu gefährden. Die meisten Vertragsbedingungen sehen vor, dass einmal pro Jahr eine automatische Erhöhung der Leistung bzw. des Beitrags vorgenommen wird. Möchte der Kunde hierauf verzichten kann er der Erhöhung jedoch zumeist innerhalb einer gewissen widersprechen.

Bei vielen Tarifen erlischt das künftige Recht auf eine Erhöhung der BU-Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung, wenn der Kunde eine bestimmte Anzahl an Erhöhungen ausgelassen hat. Genauer Angaben hierzu finden sich in den Vertragsbedingungen des jeweiligen Tarifs.

Die folgenden Fragen sollten sich Versicherte vor der Vereinbarung einer Dynamik stellen:

  • Wann läuft die Dynamik aus bzw. zu welchem Zeitpunkt endet das Recht auf eine Erhöhung? Gibt es hierfür beispielsweise eine Höchstendalter?
  • Gibt es eine Höchstgrenze, bis zu welcher die BU-Rente automatisch angepasst wird?
  • Nach welchen Gesichtspunkten wird die Erhöhung berechnet?
  • Wie oft kann die Dynamik ausgelassen werden ohne das Erhöhungsrecht zu verlieren?

Erhöhung der BU-Rente nach Eintritt eine Berufsunfähigkeit

Die Erhöhung der BU-Rente nach einem Eintritt des Leistungsfall wird in der Regel bereits bei Vertragsabschluss durch einen zusätzlichen Leistungsbaustein vereinbart. Gerade bei einer früh eintretenden Berufsunfähigkeit stellt sich die Frage ob die Rentenzahlungen jährlich steigen und wenn ja um welchen Betrag.

Bei vielen Tarifen werden die vom Versicherer erwirtschafteten Überschüsse für eine Erhöhung der BU-Rente genutzt. Allerdings sind diese nicht garantiert, sodass es zu Schwankungen kommen kann. Deshalb ist es ratsam, eine feste und garantierte Rentenerhöhung zu vereinbaren. Ein solcher Baustein wird jedoch nicht von allen Versicherern angeboten. Da es sich hierbei um eine Mehrleistung handelt, welche bereits ab Vertragsschluss gültig ist, bedeutet dies zugleich auch einen entsprechend höheren Beitrag.

Wie sinnvoll ist eine dynamische Steigerung bei der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Der Sinn einer solchen Dynamik liegt darin, die Höhe der BU-Rente an die jährlichen Preissteigerungen anzupassen. Aufgrund der Inflation verliert das Geld jedes Jahr an Wert. Wie sich dies auf die BU-Rente auswirken kann zeigt das folgende Beispiel.

Angenommen es wurde eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer monatlichen BU-Rente von 2.000 Euro abgeschlossen. Eine Dynamik ist dabei nicht vorgesehen. Ausgehend von einer Inflationsrate von 2,5 Prozent findet kommt es jedes Jahr zu einem Kaufkraftverlust.

Das bedeutet, die heutige Kaufkraft von 2.000 Euro sinkt bei einer Inflation von 2,5 Prozent:

  • Nach 5 Jahren auf rund 1.767 Euro
  • Nach 10 Jahren auf rund 1.562 Euro
  • Nach 15 Jahren auf rund 1.380 Euro
  • Nach 20 Jahren auf rund 1.220 Euro
  • Nach 25 Jahren auf rund 1.078 Euro
  • Nach 30 Jahren auf rund 953 Euro

Dieses Beispiel macht deutlich, dass eine Dynamik bei der Berufsunfähigkeitsversicherung in jedem Falle zu empfehlen ist. Dies gilt im Übrigen noch für verschiedene weitere Versicherungen beispielsweise zur privaten Altersvorsorge.

Abstrakte Verweisung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Abstrakte Verweisung bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Wer beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung keinen Blick ins Kleingedruckte wirft, wird dies möglicherweise bitter bereuen. Denn die sogenannte abstrakte Verweisung kann unter Umständen, die Auszahlung der vereinbarten BU-Rente verhindern. Es handelt sich hierbei um eine Klausel die besagt, dass der Versicherungsnehmer im Falle einer Berufsunfähigkeit auf eine anderweitige Tätigkeit verwiesen werden darf. Dies macht eine Auszahlung der BU-Rente höchst unwahrscheinlich, da sich fast immer ein Beruf findet, welcher noch ausgeübt werden kann. Ob es für diesen offene Stellen gibt ist dabei unerheblich.

Was bedeutet die abstrakte Verweisung genau?

Die abstrakte Verweisung bedeutet für den Versicherungsnehmer eine zusätzliche Erschwernis, bei der Anerkenntnis einer Berufsunfähigkeit. Dies ist dadurch begründet, dass die Berufsunfähigkeit nicht nur für den aktuell ausgeübten Beruf, sondern auch für verschiedene andere Tätigkeiten gelten muss. Selbst dann, wenn diese gar nicht ausgeübt wurden. Für den Laien ist die abstrakte Verweisung oftmals nicht zu erkennen, da diese Bezeichnung in den Versicherungsbedingungen nicht zwangsweise auch verwendet werden.

Beispiel für eine abstrakte Verweisung in der Berufsunfähigkeitsversicherung:

„Vollständige Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit, Körperverletzung oder Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich dauernd außerstande ist, seinen Beruf oder eine andere Tätigkeit auszuüben, die aufgrund seiner Kenntnisse und Fähigkeiten ausgeübt werden kann und seiner bisherigen Lebensstellung entspricht.“

Die abstrakte Verweisung in der Praxis

Zwar kommt die abstrakte Verweisung heutzutage nur noch recht selten vor, in Alterverträgen sind solche Formulierungen jedoch durchaus noch zu finden. Dabei ist die Frage auf welche Berufe der Versicherungsnehmer verwiesen werden darf nicht immer ganz einfach zu beantworten.

So hielten es die Richter des OLG Karlsruhe für unzulässig, dass ehemals selbstständiger Gas- und Wasserinstallateur nach einer Umschulung als medizinisch-technischer Laborassistent (MTLA) arbeiten muss. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass er im neuen Beruf sogar ein höheres Einkommen erzielt. Der Versicherer wurde zur Zahlung der BU-Rente verpflichtet.

In einem anderen Fall hielt es der Bundesgerichtshof für rechtens, dass ein berufsunfähiger Straßenbaumeister in den ursprünglich erlernten Beruf als Bauingenieur zurückkehren muss, obwohl er diesen niemals aktiv ausgeübt hat. Dazu kommt, dass in diesem Beruf kaum Chancen auf eine Anstellung bestehen.

Police mit Verzicht auf eine abstrakte Verweisung wählen

Um einem möglichen Rechtsstreit zu umgehen sollten Policen abgeschlossen werden, bei denen in den Versicherungsbedingungen ausdrücklich auf eine abstrakte Verweisung verzichtet wird. Dies ist mittlerweile bei den meisten Versicherern der Fall. Lediglich einige besonders günstige Versicherungen haben diesen Passus in ihren Versicherungsbedingungen beibehalten. Durch einen genauen Versicherungsvergleich lassen sich schnell und einfach die besten Berufsunfähigkeitsversicherungen finden.

Gesetzliche und private Berufsunfähigkeitsversicherung

Gesetzliche und private Berufsunfähigkeitsversicherung

Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung wurde die zum 01.01.2001 in Kraft getretene Rentenform weitgehend abgeschafft. Bis dato erhielten in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherte Arbeitnehmer eine Berufsunfähigkeitsrente, falls sie ihren aktuellen Beruf aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr zu 50 Prozent ausüben konnten. Diese Leistung gibt es jetzt nur noch für Arbeitnehmer, welche vor dem 01.01.1961 geboren wurden. Alle anderen erhalten nur noch eine reduzierte Erwerbsminderungsrente.

Gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente wird abgeschafft

Statt der Berufsunfähigkeitsrente wurde eine in drei Stufen unterteilte Erwerbsminderungsrente eingeführt. Diese hat den entscheidenden Nachteil, dass der Arbeitnehmer auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden darf. So kann es passieren, dass ein leitender Angestellter als Pförtner arbeiten muss. Zudem wird die Erwerbsminderung je nach Arbeitsfähigkeit nur anteilig bezahlt. Ermittelt wird der Grad einer Erwerbsminderung über die mögliche tägliche Arbeitszeit.

Wer noch mindestens 6 Stunden pro Tag arbeiten kann, erhält keine Leistungen
Wer zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten kann, erhält die halbe Erwerbsminderungsrente
Wer weniger als 3 Stunden pro tag arbeiten kann, erhält die volle Erwerbsminderungsrente

Auch bei der Rentenhöhe müssen deutliche Einschnitte in Kauf genommen werden. Wer beispielsweise Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente hat, kann mit etwa 30 Prozent des letzten Bruttoeinkommens rechnen. Dies reicht in keinem Fall aus, um den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Wer bei einer Berufsunfähigkeit nicht in eine finanzielle Notlage kommen möchte, sollte sich deshalb immer durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung absichern.

Private Berufsunfähigkeitsversicherung ist deutlich leistungsstärker

Welche Leistungen die private Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt hängt immer vom gewählten Tarif ab. In den meisten Fällen erhalten Versicherungsnehmer die vereinbarte Rente bei einer Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent. Diese muss von einem Arzt diagnostiziert werden und voraussichtlich für mindestens 6 Monate bestehen.

Die Höhe der BU-Rente kann bei Vertragsschluss individuell vereinbart werden. Auf diese Weise lassen sich die finanziellen Einbußen bei einer Berufsunfähigkeit zu 100 Prozent ausgleichen. Dazu kommt, bei den meisten Tarifen auf eine abstrakte Verweisung verzichtet wird. Das bedeutet, der Versicherte darf nicht auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden.

Ausgezahlt wird die BU-Rente bis zum versicherten Endalter. Dieses kann individuell vereinbart werden. Um Leistungslücken zu vermeiden, sollte die Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Altersvorsorge möglichst direkt nach Ende der BU-Rente einsetzen.

Auf Wartezeiten wird bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung komplett verzichtet. Im Gegenteil, viele Versicherer zahlen die Rente noch für bis zu 3 Jahre rückwirkend, falls die Berufsunfähigkeit verspätet gemeldet wurde. Ein Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente besteht dagegen erst, nachdem mindestens für 3 Jahre die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden.