Gesetzliche und private Berufsunfähigkeitsversicherung

Die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung wurde die zum 01.01.2001 in Kraft getretene Rentenform weitgehend abgeschafft. Bis dato erhielten in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherte Arbeitnehmer eine Berufsunfähigkeitsrente, falls sie ihren aktuellen Beruf aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls nicht mehr zu 50 Prozent ausüben konnten. Diese Leistung gibt es jetzt nur noch für Arbeitnehmer, welche vor dem 01.01.1961 geboren wurden. Alle anderen erhalten nur noch eine reduzierte Erwerbsminderungsrente.

Gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente wird abgeschafft

Statt der Berufsunfähigkeitsrente wurde eine in drei Stufen unterteilte Erwerbsminderungsrente eingeführt. Diese hat den entscheidenden Nachteil, dass der Arbeitnehmer auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden darf. So kann es passieren, dass ein leitender Angestellter als Pförtner arbeiten muss. Zudem wird die Erwerbsminderung je nach Arbeitsfähigkeit nur anteilig bezahlt. Ermittelt wird der Grad einer Erwerbsminderung über die mögliche tägliche Arbeitszeit.

Wer noch mindestens 6 Stunden pro Tag arbeiten kann, erhält keine Leistungen
Wer zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten kann, erhält die halbe Erwerbsminderungsrente
Wer weniger als 3 Stunden pro tag arbeiten kann, erhält die volle Erwerbsminderungsrente

Auch bei der Rentenhöhe müssen deutliche Einschnitte in Kauf genommen werden. Wer beispielsweise Anspruch auf die volle Erwerbsminderungsrente hat, kann mit etwa 30 Prozent des letzten Bruttoeinkommens rechnen. Dies reicht in keinem Fall aus, um den bisherigen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Wer bei einer Berufsunfähigkeit nicht in eine finanzielle Notlage kommen möchte, sollte sich deshalb immer durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung absichern.

Private Berufsunfähigkeitsversicherung ist deutlich leistungsstärker

Welche Leistungen die private Berufsunfähigkeitsversicherung erbringt hängt immer vom gewählten Tarif ab. In den meisten Fällen erhalten Versicherungsnehmer die vereinbarte Rente bei einer Berufsunfähigkeit von mindestens 50 Prozent. Diese muss von einem Arzt diagnostiziert werden und voraussichtlich für mindestens 6 Monate bestehen.

Die Höhe der BU-Rente kann bei Vertragsschluss individuell vereinbart werden. Auf diese Weise lassen sich die finanziellen Einbußen bei einer Berufsunfähigkeit zu 100 Prozent ausgleichen. Dazu kommt, bei den meisten Tarifen auf eine abstrakte Verweisung verzichtet wird. Das bedeutet, der Versicherte darf nicht auf eine andere Tätigkeit verwiesen werden.

Ausgezahlt wird die BU-Rente bis zum versicherten Endalter. Dieses kann individuell vereinbart werden. Um Leistungslücken zu vermeiden, sollte die Rentenzahlungen aus der gesetzlichen Altersvorsorge möglichst direkt nach Ende der BU-Rente einsetzen.

Auf Wartezeiten wird bei der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung komplett verzichtet. Im Gegenteil, viele Versicherer zahlen die Rente noch für bis zu 3 Jahre rückwirkend, falls die Berufsunfähigkeit verspätet gemeldet wurde. Ein Anspruch auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente besteht dagegen erst, nachdem mindestens für 3 Jahre die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wurden.