Risikozuschlag bei Berufsunfähigkeitsversicherungen

Vor dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung führen die Versicherer immer eine Risikoprüfung durch. Stellt sich dabei heraus, dass bei einem potenziellen Versicherungsnehmer Vorerkrankungen bestehen kann der Versicherer den Vertrag ablehnen, einzelne Leistungen ausschließen oder einen Risikozuschlag erheben. Mit diesem Beitragszuschlag soll das erhöhte Risiko auf eine Berufsunfähigkeit abgedeckt werden. Wie hoch der Risikozuschlag ausfällt, hängt unter anderem vom Alter des Versicherungsnehmers sowie der Art der Vorerkrankung ab. Unter Umständen kann der Risikozuschlag auch zeitlich begrenzt sein, beispielsweise nach einer Operation.

Wofür werden Risikozuschläge erhoben?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Risikozuschläge bei jedem Versicherer unterschiedlich gehandhabt werden. Erhoben werden Risikozuschläge unter anderem bei Kreislauferkrankungen, Störungen der Verdauungsorgane, Stoffwechselerkrankungen oder einem erhöhten Cholesterinspiegel. Unter Umständen verteuert sich die Prämie hierdurch um bis zu 50 Prozent.

Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates oder Allergien kommt es dagegen zumeist zu Leistungsausschlüssen. Dies gilt unter anderem auch für Hauterkrankungen. Bei psychischen Vorerkrankungen werden diese in der Regel ebenfalls vom Versicherungsschutz ausgenommen bzw. der Antrag komplett abgelehnt. Bei Vorerkrankungen wie Multiple Sklerose, Krebs oder Diabetes mellitus kommt es in der Regel ebenfalls zu einer Ablehnung der Vertragsanfrage.

Risikozuschläge können jedoch auch bei als risikoreich eingestuften Hobbies erhoben werden. Bei einem Test der Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 03/2014) wurde für eine Hobbyreiterin von einigen Versicherern ein Risikozuschlag zwischen 25 und 50 Prozent erhoben. Eine Assekuranz hat den Abschluss der Police sogar abgelehnt.

Risikozuschlag wieder loswerden

Wer einen Vertrag mit einem Risikozuschlag abgeschlossen hat, muss diesen jedoch nicht zwangsweise über die gesamte Laufzeit bezahlen. Die Möglichkeit auf eine Reduzierung des Zuschlags ist im § 41 des Versicherungsvertragsgesetzes explizit festgehalten. Danach kann die Vereinbarung jederzeit überprüft werden. Notfalls lässt sich die Reduzierung auch mit gerichtlichen Mitteln durchsetzen. So hat beispielsweise das Oberlandesgericht Coburg entschieden, dass ein Versicherter, dessen Rückenleiden bereits seit Jahren ausgeheilt ist, keinen Risikozuschlag mehr bezahlen muss.

Hat sich die Erkrankung aufgrund derer ein Risikozuschlag erhoben wurde wesentlich verbessert oder ist komplett ausgeheilt sollte zunächst ein ärztliches Attest eingeholt werden. Daraus muss eindeutig hervorgehen, der Versicherte inzwischen genesen ist und kein erhöhtes Risiko auf eine Berufsunfähigkeit besteht. Anschließend kann die Versicherung aufgefordert werden, den Beitragszuschlag entsprechend zu senken. Kommt der Versicherer der Aufforderung nicht nach kann zunächst der Ombudsmann für das Versicherungswesen eingeschaltet werden. Dieser hilft kostenlos und kann eine Einigung mit der Versicherung herbeiführen.

Bei Schummelei Risikozuschlag besser akzeptieren

Wer bei der Antragstellung bezüglich der Vorerkrankung geschummelt und nicht alles korrekt angegeben hat, sollte den Risikozuschlag ohne Murren akzeptieren. Forscht der Versicherer genauer nach kann es zu einer Kündigung des Vertragsverhältnisses kommen. In diesem Fall steht der Versicherte komplett ohne Berufsunfähigkeitsschutz da und wird auch bei einer anderen Assekuranz keinen Vertrag mehr bekommen.